Wissenschaft

Wissenschaft

 

Hier finden Sie die erste wissenschaftliche Studie zum SENSOBOARD! 

 

Propriozeptives Training allgemein

 Unter Propriozeption – auch Tiefensensibilität – versteht man die Fähigkeit des Körpers bzw. der Gelenke ihre Lage im Raum und ihre Stellung zueinander zu bestimmen (vgl. Giese, 2006, S. 35).

 

Ein Training auf dem SENSOBOARD verbessert die Propriozeption sowie die Sensorik und die Motorik als Stellgrößen menschlicher Bewegungskoordination!

 

Die Propriozeption ist mitentscheidend für die Feinkoordination bzw. Steuerung von Gelenkbewegungen. Sie ist damit für die Gleichgewichtserhaltung von besonderer Wichtigkeit. Zur Propriozeption zählen als Rezeptorsysteme im Wesentlichen Muskelspindeln, Sehnenrezeptoren und Mechanorezeptoren der Gelenke.

Diese sind durch nachfolgende Funktionen gekennzeichnet:

 

>> Bereitstellung von Informationen über Kräfte, Spannungen, Kontraktions-geschwindigkeiten, Gelenkstellungen etc.

>> Vorinnervation der Muskeln über die Muskelspindeln bei der Ausführung zentralnervaler motorischer Programme

>> Begrenzung der Kraftentwicklung des Muskels durch reflektorische Entspannung

>> Begrenzung der Kontraktionsgeschwindigkeit und damit Schutz des Bewegungsapparates vor Überlastung

>> Aktive Entspannung in den Arbeitspausen der Muskulatur und damit Schutz vor übermüdungsbedingten Verletzungen

 

Durch ein propriozeptives Training kommt es insgesamt zu einer Optimierung der propriozeptiven Wahrnehmung und Reaktivität (u.a. durch eine Erhöhung der Anzahl an Gelenk-, Gelenkkapsel-, Sehnen- und Bänderrezeptoren sowie durch verbesserte Verschaltung und zerebrale Verarbeitung und Bahnung). Ein propriozeptives Training kommt im Sport sowohl in der Prävention von Verletzungen als auch in der Rehabilitation nach Verletzungen sowie im koordinativ-technischen Schulungsbereich zur Anwendung.

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

 

Propriozeptives Training als Verletzungsprophylaxe

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass durch ein propriozeptives Training eine effektive Verletzungsprophylaxe bezüglich Muskel- und Bandverletzungen erzielt werden kann (vgl. Reinhardt/von Tiedemann 1999, 90/91; Häfelinger/Schuba 2004; Meyndt 2004, 22; Knoblauch/Matin-Schmitt 2006, 29).

Bereits ein zusätzlich zum normalen Training einmal pro Woche durchgeführtes propriozeptives Training führt zu einer Senkung von leichten und schweren Muskel- und Bänderverletzungen. Besonders die im Sport häufig auftretende Verletzung des Außenbandrisses im oberen Sprunggelenk, lässt sich sowohl präventiv als auch sekundärprophylaktisch (im Sinne der Vermeidung des so häufigen Wiederholungstraumas) effektiv vermeiden.

 

Propriozeptives Training als Rehabilitationstraining nach Verletzung

Da nach Verletzungen/ Operationen vor allem im unteren Extremitätenbereich (Vergleichbares gilt für die obere Extremität wie für den Rumpf) die komplexe Koordinationsfähigkeit gestört ist, eignet sich in der posttraumatischen bzw. postoperativen Rehabilitation ein propriozeptives Training in besonderem Maße für eine rasche Wiederherstellung der sportlichen Leistungsfähigkeit.

Durch ein propriozeptives Training lässt sich die Wiederherstellungszeit nach Verletzungen signifikant verkürzen (vgl. Reinhardt/von Tiedemann 1999, 90/91).



Propriozeptives Training im Rahmen des koordinativ-technischen Trainingsprozesses

Im koordinativ-technischen Trainingsprozess lässt sich das Propriozeptive Training variabel, zielgerichtet und effektiv in das allgemeine und sportartspezifische Training einbauen. Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, lässt sich dadurch das koordinativ-technische Leistungsvermögen signifikant anheben (vgl. Knoblauch/Matin-Schmitt 2006, 27).

 

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

  

Möglichkeiten und Variationen eines propriozeptiven-koordinativen Trainings auf dem Sensoboard

>> Easy Stand

>> Einbeinstand

>> Stand auf dem Sensonboard und – je nach Sportart – Fangen von variabel zugeworfenen Bällen (Handballer, Fußballer), Rückpässe mit dem Fuß (links/ rechts; Innnseite/Vollspann), Hochhalten des Balles mit Pritschen/ Baggern (Volleyball) etc.

>> Positionswürfe auf den Basketballkorb auf dem Sensoboard stehend

>> Pritschen/ Baggern in Gegenüberstellung (1 Spieler steht auf dem Sensoboard, der andere auf festem Boden)


Alle Übungen lassen sich allgemein (allgemeines Training) oder sportartspezifisch ausrichten (spezielles Training) und können so als Ergänzungstraining in jedes Techniktraining involviert werden.



Methodische Grundsätze für das propriozeptive Training

>> Übungen nur im „ausgeruhten Zustand“ ausführen

>> Wiederholungs- und Serienzahl dem jeweiligen Trainingszustand anpassen! Abbruch der Übungen bei abnehmender Konzentration

>> Schwierigkeitsgrad sowohl vom koordinativen Anspruch her als auch hinsichtlich der Kraftanforderungen progressiv steigern!

>> Übungen zuerst offen, dann mit geschlossenen Augen ausführen!

>> Kraftübungen zuerst ohne, später mit Zusatzbelastung

 

 

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> 

 

Propriozeptives Krafttraining

 

Propriozeptives Krafttraining ist eine Form des Krafttrainings, die sowohl im Gesundheitssport als auch im Leistungssport zur Anwendung kommen kann. Es erlaubt dem Sportler ein äußerst schonendes, aber hocheffektives und koordinativ anspruchsvolles Krafttraining sowohl der Extremitäten- als auch der Rumpfmuskulatur.

Propriozeptives Training stellt demnach ein kombiniertes Training dar, bei dem ein propriozeptives Training mit einem Krafttraining verbunden wird.

 

>> Unter propriozeptivem Krafttraining versteht man einerseits ein Training, das der Kräftigung der jeweiligen Zielmuskulatur dient, andererseits die parallele Schulung des gesamten propriozeptiven Systems sowie die Optimierung der koordinativen Leistungsfähigkeit, insbesondere der Gleichgewichtsfähigkeit, beinhaltet.

 

Beim propriozeptiven Krafttraining werden Übungen auf instabilen Unterlagen bzw. einem labilen Untergrund ausgeführt. Das SENSOBOARD eignet sich hierzu hervorragend, denn es fördert eine aktive und ausgleichende Muskelarbeit, die zur Erhaltung des Gleichgewichts gefordert ist in sehr hohem Maße.

Wie bereits erwähnt kommt ein propriozeptives Training sowohl in der Prävention und Rehabilitation von Verletzungen als auch im Rahmen eines koordinativen Trainings zum Einsatz. Zusätzlich kann es aber auch zur Optimierung eines Kraft- bzw. Schnellkrafttrainings beitragen.


Untersuchungen von Knoblauch/Matin-Schmitt (2006, 27) zeigten, dass durch ein derartiges propriozeptives Krafttraining nicht nur die allgemeine Koordinationsfähigkeit verbessert, sondern auch die allgemeine Kraft im Extremitäten- und Rumpfbereich sowie die Sprungkraft gesteigert werden.


Das propriozeptive Krafttraining eignet sich aufgrund seiner außergewöhnlichen Variier- und Steuerbarkeit hochgradig für jeden Leistungs- und Altersbereich sowie für Prävention und die Rehabilitation von Verletzungen. Auch für das propriozeptive Krafttraining gelten die o.g. methodischen Grundsätze!

 

Quellen: Weineck, Jürgen (2007). Optimales Training, 15. Auflage. Balingen: Spitta Verlag S. 467-470 & S. 809-813.